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07.11.2011

Belcanto der Sprache und Töne

Konzert

In Verena Pragers Kulturgaststätte Sommerlust kann man nicht nur kulinarische Leckerbissen geniessen, sondern öfter auch kulturelle Köstlichkeiten. Im Rahmen des Kulturprogramms der «Sommerlust» wurde so ein Leckerbissen der ganz besonderen Art am letzten Freitagabend gegen fünfzig Anwesenden offeriert. Nämlich: Das neue Programm der bekannten Sängerin La Lupa unter dem Titel «Mater – Das sich ständig Erneuernde». La Lupa (die Wölfin) ist allerdings ihr Künstlername, welchen die 1947 im Onsernonetal geborene und aufgewachsene, heute in Zürich lebende Tessinerin mit dem richtigen Namen Maryli Maura Herz- Marconi schon in ihrer Jugend erhielt.

Jedes Mal überwältigend

Verena Prager ortete sich in ihrer kurzen Begrüssungsadresse als wirklicher La-Lupa-Fan, deren mit Emotionen verbundene Gesänge sie jedes Mal überwältigen. Ihr neues Programm «Mater» ist ganz der Mutter Erde und der Natur mit ihrem Erwachen im Frühling und ihrem Sterben im Herbst sowie dem Lebenskreis der Geburt aus dem Mutterleib bis hin zum Tod gewidmet. Dann trat sie auf: La Lupa, als wäre sie direkt aus Botticellis Gemälde «Der Frühling» entsprungen. Mit einem Hut aus Efeu, Flechten und sonstigen Pflanzen geschmückt. Denn Hüte sind das Markenzeichen der Sängerin, jeweils kreiert von der Modistin Sonja Rieser, welche ebenfalls für das Kostüm und die Bühnenausstattung mit dem prächtigen Prospekt im Hintergrund verantwortlich war. Nach Ausagen von La Lupa besitzt sie als passionierte Hutträgerin gegen 150 verschiedene Hüte. Ein weiteres Markenzeichen sind auch ihre roten Haare und Augenbrauen.

Sonore und weiche Stimme

Nach einem eindrücklichen meditativen Auftakt mit ihrem Bühnenpartner und Komponisten Walther Giger, der sie einfühlsam mit der Gitarre und oft auch gesanglich im Duett begleitete, hörte man dann endlich ihre sonore, weiche und facettenreiche Stimme voller Ausdruckskraft. Zuerst Sprechgesang, dabei laufend von Deutsch in ihre italienische Muttersprache wechselnd. Nahtlos aneinandergereihte Lebensweisheiten berühmter Literaten wie Neruda, Goethe, Schiller. Erhebend dabei die Sonette von Francesco Petrarca (1304–1374) in vollmundiger, dynamikreicher italienischer Ausdrucksweise. Ein wahres sprachliches Belcanto, von Walther Giger mit Gitarrentönen zartfühlend untermalt. Und dann fing sie an zu singen: Lieder vom Kreislauf der Natur, von Liebe und Leid, Loblieder über Mütter sowie mystisch-religiöse Marienlieder und Litaneien. So das «Salve Regina, mater misericordia» im gregorianischen Stil, ergreifend und rührend gestaltet. Dann wiederum fröhliche Kinderreime und Abstecher ins Volksliedgut und Mama-Evergreens. Und dies fugenlos gegen eineinviertel Stunden in voller Hingabe, sodass man gar nie zum Klatschen kam. Alles verbunden mit zum Thema passender Gestik, Körperhaltung und Tanz, einstudiert vom polnischen Regisseur Michael Ratynski. Doch vieles kam intuitiv aus ihrem Innern. Obschon viele Zuhörer der italienischen Sprache nicht mächtig waren, verstanden sie allesamt, was La Lupa sagte und sang. Nämlich ein Loblied auf die Mütter, die Ursprung des Lebens sind. Unglaublich, wie die Sängerin über eine Stunde lang das Publikum, welches zum grössten Teil keine italienischen Sprachkenntnisse besitzt, ohne jeglichen Unterbruch fesseln konnte. Der Applaus war denn auch riesengross. Grazie, La Lupa! Arnold Sigg

12.11.2011

Telefonistinnen und eine detektivische Suchaktion

Der Kommissar (Jaap Achterberg) und die drei Telefonistinnen (Laura Lienhard, Graziella Rossi und Nina Hesse Bernhard). Bild Eric Bührer

Der Kommissar (Jaap Achterberg) und die drei Telefonistinnen (Laura Lienhard, Graziella Rossi und Nina Hesse Bernhard). Bild Eric Bührer

In der voll besetzten Galerie der Gaststätte Sommerlust fand am Mittwoch die szenische Lesung «Call Center» von Franz Hohler unter der Regie von Klaus Henner Russius statt.

Von Sonja Widmayer

Die drei Telefonistinnen Selma Frei (Laura Lienhard), Elisabeth Grossenbacher (Graziella Rossi) und Barbara Weiss (Nina Hesse Bernhard) sitzen vor ihren Computern in einem Call Center und geben den Anrufern Telefonnummern bekannt. Die älteste der drei Frauen, Elisabeth Grossenbacher, hat nun im stolzen Alter von 58 Jahren die Kündigung erhalten, da sie jeweils etwas zu ausführlich auf ihre Kunden eingeht – die Zielvorgabe für die Dauer eines Telefongesprächs sind schliesslich nur vierzig Sekunden. Von ihren Kolleginnen die «Dargebotene Hand» genannt, muss sie an diesem besonderen Abend noch ein letztes Mal für die Nachtschicht von Samstag auf Sonntag einspringen, da kein Ersatz für sie gefunden werden konnte.

Elisabeth Grossenbacher versteht die Anliegen ihrer Anrufer besser als diese selbst, ist flink in der Recherche und verständnisvoll im Gespräch – so gibt sie einer Verwirrten mehrmals das aktuelle Datum und die Uhrzeit bekannt, diktiert in aller Gemütsruhe laut und deutlich Telefonnummern, statt sie auf Band durchzugeben, rät einer Dame, einfach den Stecker wieder ins Fernsehgerät zu stecken, statt einen Reparaturservice zu bemühen, ja sogar die Telefonnummer Gottes kann sie vermitteln (diejenige der Swisscom-Generaldirektion). Ihre jüngeren Kolleginnen reagieren nur kopfschüttelnd und ermahnend auf derartige Erkundigungen und stossen mit ihrer Vernunft auf Unverständnis und Ärger bei den Anrufern. Doch inmitten dieser skurrilen Anfragen gerät Elisabeth an einen nervösen Mann, dessen Frage ihr eigenartig vorkommt. Er gibt vor, Babysitter zu sein, und fragt Elisabeth um Rat, da das Kind blau anlaufe und nicht aufhöre zu erbrechen. Elisabeth schöpft sofort Verdacht: Da wurde doch eben erst ein kleiner Junge entführt! Sie erklärt dem Verdächtigen, was zu tun sei, und beruhigt ihn. Dieser beginnt, ihr zu vertrauen und sie immer wieder um Tipps zu bitten. Rasch wird durch weitere Anrufe klar, dass Elisabeth da auf eine heisse Spur gestossen ist. Da diese Nachtschicht sowieso ihr letzter Arbeitseinsatz ist, bricht Elisabeth getrost sämtliche Vorschriften und startet eine gewagte detektivische Suchaktion. Mithilfe eines Freundes und einer Naturheilerin, die Elisabeth noch einen Gefallen schuldig ist, rettet sie das Kind aus den Händen des verzweifelten jungen Entführers. Ein Polizist (Jaap Achterberg) kann schliesslich nur noch die Lösung des Falls feststellen – jubelnd stossen die Telefonistinnen auf ihren Erfolg an. Dem weltberühmten Kabarettist und Schriftsteller Franz Hohler ist einmal mehr eine sagenhafte Komödie gelungen: Die Zuschauer schüttelte es regelmässig vor Lachen.

Ungekünstelt präsent wie eh und je

Konzert am 3. Dezember 2011

Blues-Sängerin Vera Kaa schlüpft in verschiedene (musikalische) Rollen, bleibt dabei aber stets sich selber treu.Bild Simon Brühlmann

Blues-Sängerin Vera Kaa schlüpft in verschiedene (musikalische) Rollen, bleibt dabei aber stets sich selber treu.Bild Simon Brühlmann

Vera Kaa gastierte in der Schaffhauser «Sommerlust» mit Liedern aus ihrem neuen Album «50 ways» und bewies sich und dem Publikum, dass «wir noch da sind». Ihr Charisma deckt sich mit ihrem Bekenntnis zum Blues.

von Martin Edlin

Vera Kaa bleibt sich sowohl als Sängerin mit ihrer unverwechselbaren, kräftigen und gradlinigen Stimme als auch als Songwriterin («Ich habe Extreme und Mitte, Boden und Löcher, Fülle und Leere und muss immer neu balancieren, damit ich Halt finde») treu, und das Publikum ihr ebenso. Folglich sind beide – die Luzernerin steht immerhin seit über dreissig Jahren auf der Bühne – in die Jahre gekommen. Sicht-, aber nicht hörbar wurde das am vergangenen Samstag in der Kulturgaststätte Sommerlust, wo Vera Kaa in einem über zweistündigen Konzert mit Liedern mehrheitlich aus ihrem jüngsten Album «50 ways» auftrat: Eine weitgehend ergraute oder zumindest «reifere», aber ungebrochen begeisterte Zuhörerschaft, zum Teil von weit her angereist, füllte den Dachraum bis auf den letzten Platz. Und im Mittelpunkt stand die alles andere als gealterte, sondern quicklebendige, temperamentvolle Frau, die mit ihrem unlängst erreichten fünfzigsten Lebensjahr heftig kokettiert. «Taff» werde es schon, so alt zu sein, moderiert sie sich ironisch, witzig, besinnlich oder auch einmal wehmütig, aber stets authentisch durch ihr Programm, als müsste sie den Satz im Booklet ihrer jüngsten CD rechtfertigen: «Wir sind immer noch da.» Überflüssigerweise, wie ihr Schaffhauser Konzert zeigte: Die Künstlerin, die ungekünstelt sich selbst sein will, ist präsent wie eh und je und auf der Höhe des Rufes, der ihr nun seit vielen Jahren vorauseilt.

Der Auftritt in Schaffhausen hatte – von der Räumlichkeit und der Atmosphäre der «Sommerlust» diktiert – etwas Intimes, ähnlich einem Hauskonzert, bei dem nicht nur die Zuhörerschaft den Musizierenden nahe ist, sondern ebenso umgekehrt: das Konzert als Direktbegegnung mit Augenkontakt. Die Verstärkeranlage blieb gedrosselt, die Show auf die intensive, aber nie überbordende Körpersprache der Sängerin beschränkt. Umso stärker traten sie, ihre Musik und die sie begleitenden Musiker in den Vordergrund: Greg Galli an Flügel und Keyboard, von wo er die Zügel fest in der Hand behielt, Pete Borel als virtuoser, auch in Soli bestechender E-Gitarrist, Bruno Dietrich als Schlagzeuger und stimmlich anpassungsfähiger Duettpartner und Roland Sumi am elektrischen Bass, alle mit viel Gespür für die rhythmischen, musikalischen und stilistischen Rollen, in die Vera Kaa schlüpft: Da Chansonnière und dort Rockgöre, einmal Jazzerin und dann wieder augenzwinkernde Balladenerzählerin, vor allem aber die Welt des Blues durchforstend («der Blues ist der Ausdruck meines Lebens»). Es singt die kritische Welt- und Menschenbetrachterin, die Romantikerin («Precious»), die ekstatisch Übermütige («Chilbi-Ziit»), die Tiefsinnige («10 Minute»), die Kämpferin, die Hintergründige («Sweetly Gone») und immer die Lebenspralle, sei das nun in ihren englischsprachigen oder in ihren Mundartliedern. Diese Vielseitigkeit ist jedoch kein Potpourri, sondern, gemäss Vera Kaa, deren Charisma sich mit ihrem künstlerisch hör- und sichtbar gemachten Bekenntnis deckt, sind es «die dunklen und die hellen Seiten des Lebens, die ich versuche, auf einen Nenner zu bringen».

«Es sind die dunklen und die hellen Seiten des Lebens, die ich versuche, auf einen Nenner zu bringen»

Vera Kaa

Blues-Sängerin



Radio Munot Interview zum Tod von Ueli Prager:




SN - am 31.05.2011von robin blanck

Wichtige Weichenstellung für die Zukunft

Gastronomie-Unternehmerinnen am Rhein: Mutter Verena Prager ist CEO der Prager Gastronomie AG, Tochter Linda ihre Stellvertreterin. Neu hat die Firma einen zweiköpfigen Verwaltungsrat mit Ueli Büchi und Markus Höfler.Bild Selwyn Hoffmann

Gastronomie-Unternehmerinnen am Rhein: Mutter Verena Prager ist CEO der Prager Gastronomie AG, Tochter Linda ihre Stellvertreterin. Neu hat die Firma einen zweiköpfigen Verwaltungsrat mit Ueli Büchi und Markus Höfler.Bild Selwyn Hoffmann

Verena Prager will ihre Firma neu mit einem Verwaltungsrat im Rücken führen, Tochter Linda übernimmt künftig vermehrt strategische Aufgaben. Und es wird gefeiert.

Vor 15 Jahren gründete Verena Prager die Sommerlust Kulturgaststätten AG, das gleichnamige Lokal hat seinen Platz in der Schaffhauser Gastronomieszene rasch gefunden. Am 3. Juni 2008 wurde mit der Eröffnung des «Güterhofs» an der Schifflände ein neues Kapitel aufgeschlagen, 2009 die Firma in Prager Gastronomie AG umbenannt. An der Spitze sass stets Verena Prager, deren Betriebe zusammen inzwischen 7,5 Millionen Franken Umsatz (2010) generieren. Gestern konnte Verena Prager zusammen mit Tochter Linda einen weiteren Schritt bekannt geben: Per Anfang Mai 2011 hat die Prager Gastronomie AG einen Verwaltungsrat erhalten, im zweiköpfigen Gremium sitzen Ueli Büchi und Markus Höfler. «Mit war schon länger klar, dass es einen Verwaltungsrat braucht, der neue Inputs geben kann», sagt Verena Prager. Wer im Gremium Einsitz nehmen könnte, sei bei Mutter und Tochter Prager schon länger klar gewesen. Ueli Büchi, der die Aufgabe des Vizepräsidenten im VR übernehmen wird, hat eine Firma für Management und Consulting in Forch, ist aber gleichzeitig auch familiär eng verbunden: Verena Prager und Ueli Büchi haben dieselbe Mutter. Mit Markus Höfler nimmt ein in der Region bestens bekannter Mann im Verwaltungsrat Einsitz: Höfler ist Geschäftsführer der Brauerei Falken, «seine Wahl hat aber nichts mit seiner Tätigkeit bei Falken zu tun», betont Verena Prager. Man habe im Zusammenhang mit dem «Güterhof» immer wieder miteinander zu tun gehabt, «dabei wurde klar, dass wir Konflikte gut miteinander lösen können.» Derweil herrscht Betrieb im «Güterhof» und in der «Sommerlust»: Beide Lokale waren gestern Morgen besetzt, sodass die Medienkonferenz im Büro der AG am Rheinquai stattfinden musste. «Man könnte sagen: Wir sind etwa bei Break-even», sagt denn auch Verena Prager, «darauf sind wir beide sehr stolz.» – «Wir haben unser Ziel erreicht, aber deshalb fahre ich noch keinen Jaguar», doppelt Linda Prager nach und lacht. Denn es wird auch ständig investiert, allein 2010 wieder 400 000 Franken in die Lokale.

Der Erfolg hat mit harter Arbeit zu tun: Linda Prager hat als Geschäftsführerin des «Güterhofs» ein mehr als volles Pensum zu bewältigen, Verena Prager selbst leitet die «Sommerlust». Damit die Tochter sich künftig auch vermehrt um die strategischen und finanziellen Aspekte der Prager-Gastronomie kümmern kann, tritt sie einen Teil der Geschäftsführung ab – auch das eine Neuerung. «Der Laden läuft», sagt Linda Prager, «für das Feintuning braucht es aber mehr Zeit.» Gleichwohl wird sie noch immer im «Güterhof» mittun und besondere Aufgaben betreuen. Gleichzeitig treffen immer wieder Anfragen für neue Projekte beim Unternehmen ein, «noch ist das Projekt ‹Güterhof› nicht so weit, dass wir weitere Vorhaben anpacken können», sagt Verena Prager.

1000 Tage «Güterhof»

Der Blick geht aber nicht nur in die Zukunft, sondern auch zurück: Am kommenden Wochenende kann der «Güterhof» sein 3-Jahr-Jubiläum feiern. 1000 Tage ist es her, dass das Lokal seine Tore öffnete. Manche der Nächte, so sagen Mutter und Tochter, seien auch seither schlaflos gewesen – und das nicht allein, weil der «Güterhof» an den Wochenenden fast rund um die Uhr offen hat. «Aber wir haben fest an unsere Vision geglaubt», sagt Verena Prager. Am Wochenende wird nun gefeiert: Nach dem ersten Jubiläum in der Farbe Pink und dem zweiten in Grün heisst das Motto nun «tüpflet». Am Nachmittag feiern die Mitarbeiter, um 18 Uhr beginnt der VIP-Apéro im Innenhof, gleichzeitig öffnet der «Güterhof» seine Tore für das Publikum. Die Schaffhauserin Allison Bucher tritt auf, für Unterhaltung soll eine Drag-Queen-Show sorgen. Weitere Ideen für den «Güterhof» sind bereits vorhanden, ein Anlass für Angestellte internationaler Firmen ist für den 17. Juni geplant, anlässlich von Schaffusia 2011 sind bereits zwei Kipperladungen Sand bestellt: Vor dem «Güterhof» soll eine Beachparty stattfinden.

 

Eine Ironie mit Noblesse

Sommerlust Jacob Stickelberger im Trio

Unkompliziert und charmant begrüsste Verena Prager viele Kulturfreunde in der «Sommerlust», die gekommen waren, weil Jacob Stickelberger etwas zu sagen hat. Der Arrangeur und Gitarrenkünstler Dani Solimine liess die Takte des Berner Chansons – wie es die Troubadours schweizweit mit eingängigen Inhalten berühmt gemacht hatte – subtil mit Ausflügen ins Tänzerische zusammengehen. Das heisst: Die Anflüge von Cha-Cha-Cha, Bossa Nova und elegantem Tango überdeckten niemals den Ursprung. Der Virtuose am Kontrabass, Thomas Dürst, reihte die Steigerungsmöglichkeiten des erstklassig interpretierten Jazz ebenso kundig ein. Er liess sein Instrument im Verein mit der Gitarre geradezu singen.

Da gab es längst vertraute Titel, die mit verspielter Fantasie neu dem Ohr schmeichelten, absolut heutig und zeitlos gut. Genau wie die unvergänglichen Chansons des Liedermachers. Von Jacob Stickelberger lässt sich ein erweitertes Publikum als das der Sechzigerjahre die Wahrheit sagen. Er erreicht mit guter Stimme, mit stilvollem Auftreten und besonders mit der Noblesse seiner Ironie die Menschen. Er erzielt eine Klarheit des Reflektierens mit fast britischem Humor; der scheint eins mit dem gebändigt aufblitzenden Berner Charme. Jacob Stickelberger zeigt selten die Zähne, aber jeder Gedanke ist messerscharf in schöner Sprache gefasst. Um Beobachtungen geht es, um das Spektrum der Tricks und Umwege und um Wahrnehmungen des Menschseins. Um Liebe auch und Lebenslügen. Schrille Besonderheiten wie etwa die akute Situation der Elektromagnetfelder flicht er beiläufig ein. Die oft reimstarke Liedform ist das Vehikel für die realen Geschichten des Cantautors. Das Aprilwetter bei der geliebten launenhaften Frau, das Pissoir als letzte Bastion der Männerwelt, die Fantasien um die Pfarrerin im Münster, die Nöte des zwischen die Fronten geratenen Beizers … Der schlanke Herr mit den Silberhaaren schildert den Skisonntag und die Pfadi, er definiert «positiv» und «negativ» aus Patientensicht. Er lässt St. Gallen und Bern verschmelzen, er betrachtet «Mi Frou» mit einer grösseren Versöhnlichkeit als einst Charles Aznavour. Das Zuhausesein in der sprachlichen Musikalität von Berndeutsch kommt dem Porträt einer Hüttenparty-Gesellschaft ebenso zugute wie dem Elektronikverweigerer, dem Leser von Todesanzeigen, den Zahnärzten, Rechtsanwälten und Pfarrer Pfeuti oder den Strandbadfrauen, die über Nuancen des Bräunens «schampar» geistvoll reden. Wie alle guten Dichter ist Jacob Stickelberger der Zuhörzeit voraus. Das zum Denken angeregte Publikum wollte aus dem reichen Fundus immer noch mehr hören. Auch die Musiker agierten mit derselben Klasse im Duo wie im Trio mit dem Sänger mit der grossen Bühnenpräsenz. Ursula Noser

Schluss mit Jazz in der «Sommerlust»Sie begeisterten das Publikum: Der Pianist Thierry Lang mit Heiri Känzig und dem superagilen Kevin Chesham.Bild Bruno Bührer

Sie begeisterten das Publikum: Der Pianist Thierry Lang mit Heiri Känzig und dem superagilen Kevin Chesham.Bild Bruno Bührer

Das Thierry Lang Trio hatte 1998 die Konzertreihe Jazz in der «Sommerlust» eröffnet, am Samstag schloss es sie ab: mit einer Sternstunde.

von alfred wüger

schaffhausen Nicht alle von den 70 bis 80 Anwesenden wussten, dass sie dem nach gut zwölf Jahren letzten von Verena Prager in Eigenregie organisierten Jazzkonzert in der Kulturgaststätte «Sommerlust» beiwohnten, und dürften daher einigermassen überrascht gewesen sein, als die Hausherrin genau dies verkündete. Grund sei der dramatische Besucherrückgang beim Jazz, der Anfang dieses Jahres eingesetzt habe. Ein Raunen ging durch die Reihen, als die Hausherrin sagte: «Musiker, die auch in der Nebensaison jeweils ihre 30 bis 40 Leute hatten, spielten plötzlich vor drei oder vier.» Auch das Abschlusskonzert des Thierry Lang Trios habe diese Entwicklung zu spüren bekommen, wenn auch nicht so drastisch. «Heute Abend», sagte die Hausherrin, «sind wir zwar gut besetzt, aber nicht ausgebucht. Dieses Konzert wäre normalerweise im September schon ausverkauft gewesen.»

Gründe fürs Ende

«Woran liegt es, dass die Besucherzahlen derart dramatisch eingebrochen sind, Frau Prager?», wollten wir vor Konzertbeginn wissen. Sie sei «relativ selbstkritisch» mit sich selbst ins Gericht gegangen, sagt sie, und habe sich gefragt: «Hast du Fehler gemacht?» Sie sei aber zum Schluss gekommen, dass sie nicht falsch programmiert haben könne, denn auch Künstler, die durchaus immer Publikumsmagneten gewesen seien, hätten plötzlich vor dem halb vollen Saal auftreten müssen. Was sie aber erfahren habe, sei dies: Gäste, die früher regelmässig gekommen seien, hätten gesagt, sie seien jetzt pensioniert und hätten keine Zeit mehr. Andere sagten, sie möchten nicht mehr um 20.30 oder um 21 Uhr ins Konzert gehen, könnten nicht mehr in den zweiten Stock hinaufklettern und so weiter. Fazit: «Das Publikum ist älter geworden.» Verena Prager weiter: «Es gibt zwar viele hervorragende junge Musiker, der blutjunge Drummer Kevin Chesham des Thierry Lang Trios heute Abend ist ja ein Beispiel, aber die Generation, der sie entstammen, ist nicht ihr Publikum.» Der Bassist Heiri Känzig in der Pause: «Ich kann den Schritt Verena Pragers begreifen, gerade weil sie eine private und nicht subventionierte Veranstalterin ist.»

Junge Musiker, altes Publikum

Aber es war in den vergangenen gut zwölf Jahren eben der Jazz, der das Renommee der «Sommerlust» andernorts und auch über die Landesgrenze hinweg stark mitgeprägt hat. «Haben Sie keine Angst, von diesem Renommee nun ein Stück einzubüssen?» – «Angst? Nein! Offenbar entspricht Jazz in der ‹Sommerlust› keinem Bedürfnis. Jetzt endet diese Konzertreihe, und ich bin glücklich über diesen Schritt.» Und: «Ich will nicht am Publikum vorbei Veranstaltungen organisieren.» – «Könnte es sein, dass die Eintrittspreise etwas zu hoch waren?» Verena Prager verneint. «Wir verdienen das Geld mit dem Essen, der Kulturbetrieb ist ein Nullsummenspiel. Und renommierte Künstler treten nun einmal nicht für ein Butterbrot auf.» Wichtig ist der Gastronomin, festzuhalten, dass es auch in Zukunft mit Konzerten anderer Musikstile in der «Sommerlust» weitergeht. Details kann sie noch keine verraten. Die Ausstellungen jedenfalls werden bleiben.

Sternstunde zum Schluss

Wohltemperierte Intensität

01.11.2010

Konzert

Mit dem Barbara Balzan Quartett traf Schaffhausen am vergangenen Freitagabend einmal mehr auf eine der spannendsten Ladies des Schweizer Vocal Jazz. Wie bereits im letzten Jahr hat sie den Trompeter Paolo Fresu dabei – der als ein veritabler Star in der internationalen Jazzszene bezeichnet werden darf. Das Gespann hatte im vergangenen Jahr erstmals zusammen in der «Sommerlust» öffentlich gespielt, wenige Tage sogar noch bevor im KKL Luzern die neue CD getauft wurde. Auch diesmal war das Schaffhauser Publikum wieder in einer privilegierten Lage, spielten Balzan/Fresu doch einige neu erarbeitete Nummern am Rhein zum ersten Mal öffentlich. Schade nur, dass es so spärlich erschien, das Publikum.

Musikalische Persönlichkeiten

Etwas Swissness klingt im ersten Stück an, «Urchraft», und es offenbarte bereits, wie elegant und auch völlig eigenständig kreativ hier musiziert wird. Keine verjazzte Kuhwiesen-Tonmalerei, stattdessen wird ein sehr schickes Thema unisono in Trompete und Singstimme intoniert, erhält nach einer Weile ein ostinates Fundament in Bass und Schlagzeug. Das Piano setzt sehr kühle, überlegte Akzente, und über diesem Gerüst entspinnen sich nun die Geschichten, die da erzählt sein wollen. Es ist alles dabei, elegische Melodik, verspielte Vokalakrobatik, rauchiges Flair, archaisch anmutende Passagen, poppige Leichtigkeit, viele Anklänge an Folk, glatte Modern-Jazz-Harmonik, peitschende funkige Rhythmen – und das alles angeordnet und exekutiert in einer gewissen nüchternen Wohlorganisiertheit. Damit Raum entsteht für die freien Passagen, in denen die Solisten ihre musikalische Persönlichkeit entfalten lassen. Und hier sei vorab dem ausgezeichneten Trio ein Kranz gewunden: Gregor Müller (p), Attilio Zanchi (b) und Tony Renold (dr) erweisen sich als weit mehr als tüchtige Grundierer oder kunstvolle Einhüller. Sie sind äusserst klug und brillant musizierende Persönlichkeiten, die jede für sich markante Eindrücke hinterlässt. Und doch wird mit dem musikalischen Material gewissermassen sparsam umgegangen.

Ein Dialog wie Tanzen

Grossartig gelungen – und welch ein schöner Unterschied zur etwas glattpolierten Version auf der letzt-jährigen CD – «Instinctively», eine kluge Eigenkomposition mit Ohrwurmqualitäten. Ein mehr als solider Song, der das Trompeter-Ass Fresu schnell einmal dazu verleitet, auf der repetitiven Figur ein Feuerwerk zu zünden. Sein Spiel hat etwas Bezwingendes, ist von stupender Intensität und doch ökonomisch und logisch sich entwickelnd – stets wie aus einem Guss. Wie sich Fresu quasi in sein Instrument hineinbückt, vor ihm auf die Knie geht, es wie einen Goldkelch ansetzt und ihm diese – man könnte sagen: wohltemperierten – Läufe und Linien entlockt: meisterhaft. Sehr hübsch auch der musikalische Dialog zwischen Fresu und Balzan: Das ist ein sich Anspornen, ein miteinander Flirten, ein einander Zuhören und darauf Eingehen. Es knistert, es gibt grosse Gesten, es entsteht aneinander. Es ist mehr als Tanzen. Wunderschön anzusehen und anzuhören. Und natürlich Barbara Balzan, die ihre samtig-weiche Stimme stellenweise recht schlank und zurückhaltend führt. Fast wünschte man sich etwas mehr Verschwendungsmut. Und doch ist sie eine «aufgeräumt» wirkende Vokalistin, die mit viel Selbstbewusstsein in Balladen wie «Don’t Let Me Down» oder «Secret Whisper» auftrumpft, aber auch andere Register ziehen kann: soulige Geschmeidigkeit, folkige Bruststimme oder ätherisch-schlanke Töne. Mark Liebenberg

Sommerlust

Barbara Balzan Quartett

08.11.2010

Charmante Hommage an Bach

Konzert Stefanie-Senn-Trio in der «Sommerlust»

Stefanie Senn hat sich als gewiegte Pianistin sowohl im E- als auch im U-Fach (E=ernste, lies klassische, U=Unterhaltungsmusik) einen vorzüglichen Namen gemacht, und nicht nur dies: Sie hat sich mit Gleichgesinnten ein Trio aufgebaut, mit dem sie nun das weite Feld beider Musikwelten erkundet und zu blühendem Leben erweckt. Ihre Partner heissen Jean-Pierre Dix, der den Bass bedient, und der Schlagzeuger ist Berni Ruch.

Mit diesen Partnern hat sie im voll besetzten Saal der «Sommerlust» ein originelles Programm präsentiert, das dem Altmeister Johann Sebastian Bach geweiht war, wobei mit dem Wortspiel «Bach» als Name des Komponisten und als Naturwasserlauf operiert wurde. Selbstverständlich stellte sich das einstige Genie zunächst mit seinen vier Buchstaben B-A-C-H in ausführlichen Varianten vor und wurde später mit einer Reihe Zitaten von – meist allbekannten – eigenen Stücken in lebhafte Erinnerung gerufen. Und die Evokation des Wasserbachs fand hernach unterschwellige Klangentsprechung im häufigen Begleitgeräusch des Beckenwirbels. Die Hauptleistung des Stefanie-Senn-Trios bestand jedoch darin, sowohl die Bach-Zitate mit dem modernen Band-Sound zu verschwistern als auch eigenes Musizieren mit Improvisationen vom Bach-Geist her inspirieren zu lassen. Mag der Bach-Kenner hie und da etwas verwundert gewesen sein – Stefanies Aufruf, dann solle er halt den Raum verlassen, hat natürlich keiner befolgt: Er wäre dadurch gar manchen Vergnügens verlustig gegangen! Mit ihren mit Charme und Humor eingestreuten Kurzkommentaren hat sich die Pianistin gar manchen zusätzlichen Lacherfolg eingeheimst. Aber im Ernst: Das Stefanie-Senn-Trio ist ein ganz ausgezeichnetes Ensemble, das an individueller Spielvirtuosität wie vor allem an musikantischem Teamgeist sämtliche Erwartungen erfüllt und wohl auch da und dort übertrifft – etwa in den grossen imponierenden Soli des Schlagzeugers Ruch und der Klavierartistin Senn selbst – und Bassist Dix beeindruckte mit der exzeptionellen Klangvarietät seines Streichinstruments, dem er sowohl Pizzicato- als auch volltönende Bassfunktionen und immer wieder blühende Kantabilitäten zu entlocken verstand. Was hätte denn der alte Johann Sebastian zu dem allem gesagt? Niemand kann das wissen. Aber ahnen darf man, dass er Humor und Generosität und Neugierde genug besessen hätte, um mit uns allen sein Vergnügen daran zu teilen. Rita Wolfensberger

Das Stefanie-Senn-Trio ist ein ganz ausgezeichnetes Ensemble, das in individueller Spielvirtuosität und an musikantischem Teamgeist alle Erwartungen erfüllt

Peter-Eisen-Trio und Herbie Saurer begeistern

Hochkarätiger Live-Jazz mit vier Vollblutmusikern sorgte am Freitag in der «Sommerlust» für ein wahres Highlight.

von Gustav Sigg

Schaffhausen Gastgeberin Verena Prager brachte es nach dem erfolgreichen Konzertabend auf den Punkt: «Das war für mich nach Thierry Lang, Monty Alexander und Barbara Balzan das beste Live-Erlebnis, das in der ‹Sommerlust› je über die Bühne ging!»

Vielversprechende Kombination

Nachdem bis Mitte Woche bereits 120 Platzreservationen in der Kulturgaststätte eingegangen waren, war klar, dass die Fans von Bandleader Peter Eisen nach dem Grosserfolg mit dem begnadeten Frank-Sinatra-Interpreten Ken Prevost als ausdrucksstarken Sänger erneut dieses fantastische moderne Mainstream-Jazztrio hören wollten. Mit der vielversprechenden Kombination durch Beizug des immer noch populären ehemaligen New-Riverside-Trompeters und Leadsängers Herbie Saurer konnte nun eine Quartett-Formation präsentiert werden, deren erfahrenes jahrzehntelanges spieltechnisches Können und Entertainment einen absolut musikalischen wie gesanglichen Hochgenuss garantieren. Dabei hatten es sich diese vier reifen Musiker keinesfalls leicht gemacht, musste der in Italien lebende Herbie Saurer doch schon drei Tage früher in seiner alten Heimat aufkreuzen, um das überaus geschmackvoll zusammengestellte Programm zu erarbeiten.

Reise durch die Jazzgeschichte

Mit seinen mehrheitlich 20 klassischen Jazzthemen deckte das wohlmotivierte Quartett ein wichtiges Spektrum «Jazz-History» ab, das mit «Some of these days» (1910) bis «Emily» (1977) reichte. Bereits das schwungvolle Eröffnungsstück «Please dont talk about me» mit Peter Eisen am Flügel, Hans Sander am swingenden Kontrabass und Curt Treier am flexiblen Schlagzeug demonstrierte besten Trio-Jazz. Der nachfolgende Ellington-Klassiker «In a mellow tone» zeigte den Gastsolisten Herbie Saurer gleichzeitig in seiner Doppelrolle als brillanten Trompeter wie auch einfühlsamen Balladensänger. Eine weitere Herausforderung stellte die besinnliche Filmmusik mit Latin-Rhythmik aus «Black Orpheus» (1959) dar, wo Herbie wegen des wärmeren Tons zum Flügelhorn überging. Raffiniert auch der wechselnde Rhythmus zum Film «Alice in Wonderland» (1951), wo die sehr aufmerksam agierenden Rhythmusleute wiederholt zwischen Dreiviertel-, Vierviertel- und wieder Dreivierteltakt gefordert waren. Mit herrlichen Interpretationen wie nachfolgenden Variationen von «Dreamy» und «Thats my kick» des weltberühmten Pianisten und Komponisten Erroll Garner (USA, 1921–1977) machte der in Hochform aufspielende Tastenvirtuose Peter Eisen denn auch keinen Hehl aus seinem unvergesslichen farbigen Vorbild! 25.10.2010

DRS1 "Persönlich"-Sendung mit Verena Prager und Giorgio Behr,

15. August 2010, SRG-Zeitschrift
 2010_08_SRG-Zeitschrift_Persönlich(1,7 MB)

Neuer Artikel im Magazin «GlücksPost», August 2010
Verena Prager - Das hat sie von Papa gelernt.pdf (1,3 MB)

Brillanter Jazz in der «Sommerlust»

(3. September 2010)

Das Wheres Africa Trio überzeugte bei seinem Auftritt in Schaffhausen.

Mit der Verpflichtung des bereits international renommierten Wheres Africa Trio sorgte Verena Prager als Intendantin der Schaffhauser Kulturgaststätte Sommerlust für einen hochkarätigen Auftakt der zweiten Veranstaltungshälfte des Jahres 2010.

Während die in Schaffhausen aufgewachsene Pianistin Irène Schweizer zusammen mit ihrem langjährigen Schlagzeugpartner Pierre Favre zu den ganz grossen Innovatoren des europäischen Jazz zählen, musste man ihre beiden Trio-Partner erst kennenlernen. Seit fünf Jahren ist das von Schweizer zusammen mit dem kreativen Altsaxofonisten Omri Ziegele und dem südafrikanischen Drummer Makaya Ntshoko unter der Bezeichnung Wheres Africa Trio gegründete Profiensemble zu einer totalen musikalischen Einheit verwachsen. Als weitgereiste und welterfahrene Musiker haben sie begonnen, ihre wichtigsten Eindrücke sowie Kompositionen aus Begegnungen mit US-Stars auf der nun vorliegenden brandneuen Intakt-Records-CD «Can Walk on Sand» zu verarbeiten und vorzustellen. Bereits das melodienselige Eröffnungsstück «Its About Time» aus der Feder des virtuosen Saxofonisten und Leaders Omri Ziegele dürfte viele Zuhörerinnen und Zuhörer, welche gar mit einem ungeglätteten zeitgenössischen Free-Jazz rechneten, verblüfft haben. Wie der rasante Stimmungsanstieg im Konzertverlauf zeigte, hat die immer noch viel im Ausland gastierende Irène Schweizer nichts von ihrer umwerfenden Technik und ihrem sprichwörtlichen improvisatorischen Temperament eingebüsst. Auch wenn Omri als voll engagierter, leidenschaftlicher Spielmacher die meisten Thema-Improvisationen eröffnete, liess sie als kongenialer Partner durch ihre ideenreichen Soloparts wiederholt aufhorchen. Als unüberhörbar wichtige rhythmische Stütze bestätigte sich der höchst einfühlsame und diskret zwischen Becken und Trommeln agierende Makaya Ntshoko mit seinen Soli. Wenn der dynamische Altsaxofonist Omri Ziegele jedoch in seinen Kompositionen «Can Walk on Sand» und «Rare Bird» seinen unerschöpflichen Fundus an Klangfarben darbot, erlebte man das totale Bläsergenie. Gustav Sigg

DRS 1 «Persönlich» Live aus dem «Güterhof» mit Prager und Behr

Am Sonntag 15. August 2010, von 10 bis 11 Uhr sendete das Schweizer Radio DRS 1 seine Sendung «Persönlich» direkt aus dem Restaurant Güterhof. Die Gastronomin Verena Prager und der Unternehmer Giorgio Behr trafen sich zum Gespräch mit Moderator Daniel Hitzig vor breitem Publikum. Nach kurzen Anweisungen des Moderators, wann zu klatschen sei, führte das Gespräch durch das Leben der beiden Schaffhauser. Sind heute Prager und Behr beides erfolgreiche Persönlichkeiten, so hatten sie durchweg einen unterschiedlichen Werdegang. Wo Verena Prager als Mövenpick-Tochter schon in der Unternehmerfamilie gross geworden ist, arbeitete sich Giorgio Behr als Arbeitersohn in einer Tellerwäscherkarriere an die Spitze des Konzerns BBC, der heute 1200 Mitarbeiter beschäftigt. In der zweiten Hälfte der Sendung erzählte Prager eine Anekdote von ihrer ersten Nacht im damals noch unrenovierten Haus der «Sommerlust». Wie sie sich mit nur einer Matratze und einer Kanne Tee über Nacht mit ihrer neuen Wirkungsstätte bekannt machte. Bild und Text Fabian Stamm

Die Magie eines einzigen Augenblicks

Malerin Katharina Clormann-Fierz aus Winterthur stellt in der «Sommerlust» aus.

von Janine Damm

Mit einem Klaps bringt Gitarrist Jury Clormann das Bild, das an der Wand hinter ihm hängt, zum Schwingen. Die rund 80 Besucher, die zur Vernissage von Katharina Clormann-Fierz in die Kulturgaststätte Sommerlust gekommen sind, schmunzeln. Das Gemälde zeigt Rauchwolken über der Zuckerfabrik Frauenfeld und ist an hauchdünnen Fäden befestigt. Es pendelt von rechts nach links entlang der Wand, passend zum Rhythmus der Musik aus Argentinien, die der Ehemann der Künstlerin zusammen mit seinem Duopartner, dem ebenfalls professionellen Gitarristen Antonio Malinconico, vorträgt. Mal virtuos und kräftig, mal melancholisch und sanft. So wie die Werke der Künstlerin.

Denn nicht die Musik, sondern die Kunst stand am Sonntagabend im Mittelpunkt. Es ist die erste Ausstellung von Katharina Clormann-Fierz in Schaffhausen, aber bei weitem nicht die erste ihres Lebens. Die passionierte Malerin, die in Küsnacht aufgewachsen ist und inzwischen in Winterthur wohnt, absolvierte eine Ausbildung an der Schule für Gestaltung Zürich und die Meisterklasse Textilkunst im deutschen Krefeld.

«Fixierte Augenblicke»

Für die Ausstellung in Schaffhausen hat die Künstlerin Werke zum Motto «Fixierte Augenblicke» ausgewählt. Unter den Bildern sind Werke, die schon vor fünf Jahren entstanden sind oder erst vor drei Wochen fertig geworden sind – so das Bild mit den Nachtkerzen, eines ihrer neuen Lieblingsbilder. «Es ist faszinierend, dass etwas in der Nacht blüht», sagt die Malerin.

Wald aus Tulpen

Die 30 Augenblicke, die Katharina Clormann-Fierz mit der Technik Öl auf Holz als Bilder festgehalten hat, sind vielfältig: ein Apfel, der als Einziger am Ast hängt, weil er bei der Ernte vergessen wurde. Möwen, die im pastellfarbenen Himmel fliegen. Rosenblätter im Moment des Fallens. Drei Pfähle im Sand, im Hintergrund das brausende Meer. Ein Wald aus Tulpen. Mal leicht verschwommen wie in einem Traum, mal scharfe Details. Mal zarte Pastelltöne, mal kräftige Farben. Den Besuchern gefällt die Pinselführung. Martin Schwarz aus Zürich, selbst Maler, war nicht nur begeistert von den Räumlichkeiten der Galerie mit den Holzbalken und dem Lichteinfall, sondern auch von der Motivauswahl und deren Umsetzung: «Die Bilder sind sehr emotional, sehr feinfühlig. Und sie lassen dem Betrachter Raum, seine persönlichen Gedanken und Erfahrungen mit einzubeziehen.»

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Oktober zu sehen.

Bühne frei - Einweihung der Sommerbühne

Konzert Einweihungsapéro in der «Sommerlust» Eine Bühne im Rosengarten

«Es ist hier unglaublich romantisch», stellte Verena Prager fest, als sie die Gäste begrüsste. Die Besitzerin der «Sommerlust» konnte zahlreiche Neugierige willkommen heissen, welche die Neuerungen in der Gaststätte begutachten kamen.

Nicht nur Restauranterweiterung

Eigens für diese Veränderungen lud die «Sommerlust» am vergangenen Freitag zum Apéro – und das Fest war berechtigt: In der Mitte des Hofes, sozusagen im Herzen des Rosengartens, steht nun eine Sommerbühne. Diese sei aber, so betonte Prager, keine blosse Erweiterung des Restaurants. Die mietbare Bühne eigne sich vielmehr für spezielle Anlässe wie etwa Apéros, Trauungen oder Konzerte.

Zigeunermusik zum Auftakt

Die Sommerbühne verfügt zusätzlich über einen Loungebereich, und als weitere Neuerung wehen nun drei neue Flaggen gen Rhein. Die neue Bühne einweihen durften an diesem Abend «Musique Simili». Das Schweizer Trio, bestehend aus Line Loddo, Juliette Du Pasquier und Marc Hänsenberger, spielt sogenannte Zigeunermusik. Allerdings beschränkten sich «Musique Simili» nicht nur auf die Sommerbühne. Vielmehr spazierten, wandelten und musizierten sie durch die Tische und Stühle und bespielten auch einmal einzelne Gäste, denen so bestimmt ein Lächeln ins Gesicht gezaubert werden konnte. Zum lauen Sommerabend passte das französische Flair dieser Musik ausgezeichnet. Auf der Bühne kam ein Kontrabass zum Zug, beim Spazieren vor allem Violinen und ein Akkordeon. Oft kam das Ensemble nur mit dem Klang seiner Instrumente aus; gelegentlich flossen die Singstimmen der Musikerinnen mit ein. Dass das Trio aus Bern stammt, hätte man bei den katalanischen Klängen locker vergessen können. Als «feurig» bezeichnete Verena Prager die Lieder der Gruppe, «und deshalb passen sie perfekt zum Tag».

Sommermenü für die Gäste

Indessen zeigte sich das Wetter am Einweihungsanlass gnädig: Während des rund zweistündigen Apéros bot sich der «Sommerlust» ein warmer Abend samt Sonnenuntergang. Für die hungrigen Gäste gab es im Anschluss ein Sommermenü. Pünktlich zur Einweihung erschien gleich auch das aktuelle Kulturprogramm der Gaststätte.

Vermietung möglich

Auf der neuen Bühne sind laut Prager noch keine konkreten Konzerte im Stil des Einweihungsanlasses geplant, für die Zukunft aber durchaus denkbar. Von nun an kann die neue Sommerbühne also gemietet werden – nicht nur, aber mit Bestimmtheit auch für Romantisches. Anna Rosenwasser

Auf Windmühlenflügel
Neuer Artikel im Magazin «Akzent»:
Akzent_Klasse Frauen_ 2010.pdf (151 KB)Schaffhauser Nachrichten, 9.

März 2010

Mutanda Mutandis Stärken, Schwächen, Schicksale

Von Alexa Scherrer

Die Exil-Schaffhauserin Hedi von Zelewsky-Ebner stellt in der Kulturgaststätte Sommerlust in Schaffhausen Unterhosen «mit menschlichem Charakter» aus.

Hedi von Zelewsky-Ebner macht Kunst mit Unterhosen. «Naja», denkt man da, «was kann man mit Unterhosen schon darstellen.» Von Zelewskys Werke beweisen: fast alles – wenn man über die nötige Fantasie verfügt.

Die Unterhose ist schwarz gefärbt, glänzend wie frisches Pech. Im Schritt ist ein Stück spitzer Stacheldraht eingearbeitet. Wofür steht dieses Werk? Für das Gefangensein im eigenen Ich, in seiner Sexualität oder für das oft schmerzvoll verlangte Trennen von Körperlichem und Liebe? «Ein Bild existiert nur in der Interaktion zwischen dem Werk und dem Betrachter, und es ist nur diese Interaktion, die für die jeweilige Deutung entscheidend ist», erläuterte Hedis Ehemann Alex von Zelewsky in seiner Begrüssungsrede zur sonntäglichen Vernissage in der Galerie der Sommerlust. Der Titel der Ausstellung «Mutanda Mutandis» ist abgeleitet vom italienischen Wort für Unterhosen «Mutande» und von «Mutatis Mutandis», was auf Juristenlatein etwa «mit den nötigen Änderungen» heisst. Die Idee, mit Unterhosen zu arbeiten, habe Hedi von Zelewsky-Ebner befallen und sofort in Besitz genommen. «Ich interessiere mich für Menschen. Zuerst habe ich es mit der Schauspielerei zum Ausdruck gebracht, jetzt im gestalterischen Bereich.» Es geht dabei aber nicht um die Unterhose an sich, sie ist nur Arbeitsmaterial, sozusagen Mittel zum Zweck. Aus von Zelewsky-Ebners Sicht stellt jede Unterhose ein menschliches Porträt dar, zeigt Schwächen, Stärken und Schicksale. Sie benutzt also ein Objekt, das zum Verhüllen gedacht ist, zum Enthüllen. Die ausgestellten Culottes wurden nicht über Jahre hinweg gesammelt, sondern jede einzelne wird von Hedi von Zelewsky-Ebner von Grund auf genäht, kreiert und gestaltet. Ihr Haus im Tessin werde zu achtzig Prozent als Atelier benutzt und biete eine Unmenge an Materialien. Sie lege jedoch Wert auf Gegenstände, die es auf der Welt nur einmal gebe und die ihre eigene Geschichte hätten. Diese Einzigartigkeit sei ihr wichtig, sie wolle und werde nie zwei gleiche Werke fertigen. Die Tiefe der Künstlerin liegt in der Banalität ihrer Werke. Erst wer auf die Details achtet, dabei aber den Blick für das Ganze nicht verliert, entlockt ihren Werken eine Aussage.

Publiziert am 18.01.2010

Soul-Jazz der frühen 60er-Jahre

Konzert Robi-Weber-Quartett, 16. Janur 2010

Verschreibt sich heutzutage eine Jazz-Combo dem Soul-Jazz der frühen 60er-Jahre und verkauft das Ganze noch als «Easy Listening», begibt sie sich in riskantes Fahrwasser. Oft schon hat man die einschlägigen Standards gehört, zudem wurde das Genre durch kommerzielle CD-Compilations immer mehr in die Ecke seichter Hintergrundmusik gedrückt.

Glücklicherweise fackelte das Robi-Weber-Quartett am Samstag im Dachstock der «Sommerlust» nicht lange und gab schon mit den ersten Takten zu verstehen, dass es diese seichten Gewässer in weitem Bogen zu umschiffen weiss. Mit Spielfreude und verschmitztem Charme, als würden die routinierten Musiker die Stücke immer wieder zum ersten Mal spielen, nahmen sie sich der harmonisch, zum Teil tatsächlich einfach gestrickten Soul-Jazz-Klassiker in kompromisslos hoher musikalischer Qualität an. Im Blues-getränkten «Hello Hubert» überzeugten Robi Weber (Piano), Thomas Dobler (Vibes), Kalli Gerhards (Bass) und Chris von Hoffmann (Drums) mit feinfühligem «Laid back»-Timing, sodass sich die virtu-osen Sololinien des Vibrafonisten frei und geschmeidig über dem zuverlässig groovenden Fundament der Rhythm-Section bewegen konnten. Das funktionierte vor allem deshalb so gut, weil schnell klar wurde, dass hier nicht einfach vier Musiker spielten, sondern ein Quartett als einheitlicher Klangkörper auftrat. Das von Robi Weber und Thomas Dobler unisono gespielte und identisch phrasierte Thema von «Cold Duck Time» und der dadurch entstehende, verblüffend homogene Klang hatten Gänsehautcharakter. Sowohl in der Stückauswahl – von «Basin Street Blues» über Klassiker wie «Mercy, Mercy, Mercy» bis hin zu Keith Jarrets «In Your Quiet Place» – als auch in der Spielart spähten die vier Musiker auch ab und an über die musikhistorischen Grenzen der Epoche Soul-Jazz hinaus. Kalli Gerhard erinnerte beispielsweise mit einem in aggressives Slapping mündenden Basssolo an «moderne» Combos wie das Esbjörn-Svensson-Trio. Bandleader Robi Weber glänzte derweil durch intelligent gesetzte Akzente und blitzschnelle, gewitzte Reaktionen auf die diversen Zitate, die ihm Thomas Dobler vom Vibrafon aus zuwarf. Die Zuhörer, deren Köpfe schon nach kurzer Zeit zu wippen begonnen hatten, zeigten sich restlos begeistert. Simon Peter

24.11.2009

Highlight mit Selbstironie

Netnakisum – vier Vollblutmusikerinnen aus Österreich – begeisterten die Zuhörer in der «Sommerlust».

Nach der Logik unserer Sprache steigert sich ein Streich- zu einem Streicher-Quartett, und wenn dieses auf den abenteuerlichen Namen Netnakisum hört, kann man sich schon einmal auf einiges gefasst machen, besonders, wenn diese Leute dann noch, wie am vergangenen Samstag, in der «Sommerlust» auftreten, wo ja schon einiges abgegangen ist, was anderswo zu Kopfschütteln Anlass gäbe. Doch damit kein Irrtum aufkommt, man isst dort erst einmal gut, und danach war es auch diesmal eine regelrechte Herbstlust im kleinen Oberstübchen, eine runde Sache mit Pfiff und Überraschungen, musikalisch ein Highlight voller gekonnter Selbstironie, was allein schon hierzulande Seltenheitswert geniesst. Noch nichts gemerkt? Nun, dann lese man doch einfach den Namen von hinten! Aha! Und sie kommen aus Österreich, vier temperamentvolle, sehr ansehnliche junge Damen im aufgepeppten Dirndl, mit Strümpfen in Türkis, Rosa, Grün und Rot, farblich wie auch tonal aufeinander abgestimmt, in Graz und Wien klassisch ausgebildet mit Mozart, Beethoven, Tonleitern, Dreiklängen, Bogentechnik und Harmonie- und Gesangslehre, spielen daher nicht nur in der ersten Lage, können richtig zählen, miteinander ein- und aussetzen, in der Besetzung eines normalen Streichquartetts, Magdalena Zenz und Johanna Kugler, Violine, Marie-Therese Härtel, Viola, und Dee Linde, Violoncello, aber was ist bei denen schon normal. Noten haben sie keine, dafür aber gleich reihenweise doppelte Böden in ihren selbst geschriebenen beziehungsweise arrangierten Stücken, verfügen über eine perfekt eingeübte Choreographie. Sie tun so, als nähmen sie sich selbst nicht ganz ernst, aber eben, sie tun nur so. Thematisch mischen sie überall mit und alles auf, Walzer, Tango, Zigeunergenre, Schlager, modern verfremdet bis zur Atonalität und mit Texten, die jeder versteht: «... so liebt er sie vergebens, das ist die Tragik des Leben --- ssss». Dann eine mitreissende rein instrumentale Bearbeitung von Bluesette (Roger Cicero, mit dem hier passenden leicht schwachsinnigen Textreim, «wenn ich den Blues nicht hätte …»), oder, beginnend mit Fingerschnipsen «Junge Leute – brauchen Liebe – ohne Liebe – kann doch keiner leben …». Na ja. Zu Recht aber haben sie sich ihren Namen gewählt, es sind wirkliche Musikanten, sorry, -innen, Vollblutmusikerinnen, die sich eine ganz neue Mischung von professionellem instrumentalem Können und ironisch irrlichterndem Showbusiness ausgedacht haben und diese Idee auch perfekt und konsequent umsetzen. So ein Gruss aus Argentinien, ein Tango, was sonst, verbunden mit einem Ringelreihen um einen virtuellen Kochtopf in der Mitte, das alles, ohne auch nur eine Sekunde mit dem Spielen auszusetzen. Das ist mehr als nur Show, sondern dazu gehören Phantasie, Unabhängigkeit und Sinn für Unkonventionelles. Wer es genauer will, gehe zu www.netnakisum.at.

Manfred Zürcher

Publiziert am 19.10.2009

Das ist pure Erotik in Jazzform

Das Barbara Balzan Quartet und Paolo Fresu bezauberten in der Sommerlust.

von Mark Liebenberg

Solche Leute hat man nicht jede Woche in der Stadt: Sie – die wohl hotteste Schweizer Vocal-Jazz-Hoffnung, die so klug wie sympathisch wie natürlich cool rüberkommt und beharrlich ihren Weg geht. Er – der sardische Superstar, unbestritten einer der profiliertesten europäischen Jazztrompeter in der Nachfolge von Tomas Stanko und Enrico Rava. Zusammen ergibt das: pure Erotik in Jazzform. Für manchen Connaisseur war es das Jazz-Ereignis der Saison: Einen starken Auftritt legte das Barbara Balzan Quartet mit Paolo Fresu am Samstagabend in der Sommerlust hin. Verena Prager gelang es, die Musiker anlässlich ihrer CD-Release-Tour und noch am Vorabend der eigentlichen CD-Taufe am Sonntag im KKL Luzern nach Schaffhausen zu verpflichten. Die neue CD «Secret Whisper» von Barbara Balzan und ihrer Mitmusiker Gregor Müller (Flügel), Attilio Zanchi (Kontrabass), Tony Renold (Schlagzeug) vereint Standards mit Eigenkompositionen und gilt als Geheimtip.

Laszivität und Lyrizismus

Lyrisch und ruhig sind viele der Stücke, und doch beweist die Formation Mut zum Aussergewöhnlichen. Fresu setzt – mit und ohne akustisch-technische Spielereien wie Echo und Tonverfremdung – einzigartige Akzente auf der Trompete und dem Flügelhorn. Der brillante Pianist erweist sich nicht nur als perfekter Begleiter, sondern empfiehlt sich als genialer Tastenkünstler, ein fein ziseliertes Schlagzeug und eigenwillige Kontrabasseinwürfe sind bereicherndes Zutun. Daneben setzt Balzan ihre Stimme gekonnt als Erzählinstrument ein. Sie präsentiert sich nicht nur als talentierte Sängerin, sie verfügt über eine warme, sehr flexible und ausdrucksvolle Stimme, mit welcher sie das Material mit fast traumwandlerischer Leichtigkeit bewältigt. Jede ihrer Noten und Phrasen ist präzis und wohlüberlegt. Optisch und durch den überaus klugen Einsatz der Körpersprache bringt sie Coolness und Laszivität auf einen Nenner. Im Zusammenspiel wissen sich die beiden Solisten zudem klug zurückzunehmen und lassen das formidable Trio walten. Diese Art postmoderner Jazz ist eine wunderbare Sache. Er befreit sich aus dem engen Korsett der komplizierten Harmonien, vertrackten Rhythmen und kaum mehr nachvollziehbaren Sololäufen und verzaubert stattdessen die Zuhörer mit einer kaum merkbaren Mischung aus Jazz, Bossa Nova, zeitgenössischen Klängen, Folklore und allerlei Elementen von Weltmusik. Eine schöne Melodie wie «Red is the Irish Rose» wird dann in ihrer herben Schönheit belassen, ein gerader, poppiger Rhythmus darf auch mal eine Nummer lang durchgezogen werden. Zum Beispiel: Fresu bestreitet am Flügelhorn mit «In the Light» eine Solointroduktion, ein reizvolles Spiel mit archaischen Intervallen, danach geht das Geschehen nahtlos in den Diana-Krall-Klassiker «Why Should I Care» über. Klangwelten, die gut nebeneinander Platz haben, man muss nicht alles durch den Fleischwolf drehen Die aufregenden Klangcollagen des Quintetts entführen die Zuhörer am Samstag auch in karge, meditative, flächig sich ausbreitende Sequenzen, um wieder mit swingendem Groove und erdigem Drive zu kontrastieren.

Diesseits und jenseits der Sehnsucht 14.09.2009

Konzert

Der Raum unter dem Dach der Kulturgaststätte Sommerlust war am Freitagabend bis auf den letzten Platz besetzt, als der Bassist Heiri Känzig und sein Quintett, bestehend aus dem Pianisten Urs Bollhalder, dem Flügelhornspieler Matthieu Michel, dem Drummer Claudio Strüby – er war kurzfristig für den verhinderten «Original-Drummer», wie Känzig sagte, Lionel Friedli eingesprungen – und Michael Zisman, dessen Bandoneonklänge man schon lange vor Konzertbeginn hinter den Kulissen hervorkommen gehört hatte, den freien Platz vor dem Publikum, von einer Bühne kann man ja nicht sprechen, da kein erhöhtes Podest vorhanden ist, betraten und gleich loslegten – behutsam, langsam und zart.

Es ging nicht lange, und man spürte das Potential dieser Band, die Glut im Untergrund, die vom glutroten Cover der brandneuen CD «buenosaires», deren zwölf Stücke das Rückgrat des Konzertes bildeten, äusserst passend illustriert wird. Beim dritten Stück dann, spätestens, war das Quintett warmgelaufen. «Das ist das erste Konzert dieses Quintetts, und ich selber bin zum erstenmal mit einer eigenen Band da», sagte Heiri Känzig, und gerade die «Sommerlust», wo die Nähe der Künstler zum Publikum ja so gross ist, erwies sich als ideal für eine solche Première, und die Musik wurde mit jedem Takt intensiver. Michael Zisman beginnt jetzt allein, mit geschlossenen Augen, dann setzen Bass und Drums ein, ein warmherziger, unaufdringlicher Swing, Zisman verstummt, und Flügel und Flügelhorn übernehmen. Urs Bollhalder ist ein ganz feiner Pianist. Seine lyrische, von Liebe durchpulste Komposition «Song for S» war einer der Höhepunkte, und dann war da natürlich immer wieder das brüchig-klagende Rufen des Flügelhorns – so etwa im «Sun Song». Der Klang des Bandoneons und der des Flügelhorns und die emotionalen Kompositionen weckten Sehnsucht – wohl nicht zuletzt nach der argentinischen Hafenstadt am Rio de la Plata mit ihren vielen Jazz- und Tangokneipen, die Linda Prager, die Tochter der Hausherrin Verena Prager, in der Einleitung sehr gerühmt hatte. Zwei Sets spielten Heiri Känzig und sein Quintett, und immer wieder gab es Szenenapplaus, wenn die zum Teil im Neuner-, Fünfer- oder Siebnertakt gehaltenen Kompositionen besonders gelungene Improvisationen gezeitigt hatten. Nach der Zugabe, «Another World», begab man sich denn auch wieder in eine solche, nämlich in die Alltagswelt diesseits der Sehnsucht. Alfred Wüger

Familie Prager bringt internationales Grossstadt-Flair nach Schaffhausen
salz und pfeffer Schweizer Illustrierte/al dente.pdf (2,4 MB)

Güterhof
salz und pfeffer
PR vom Feinsten.pdf (176 KB)

 


salz und pfeffer 10 Jahre Sommerlust – Gastrojournal Jubiläumsartikel.pdf (1,5 MB)
salz und pfeffer
10 Jahre Sommerlust – SN Jubiläumsartikel.pdf (1,8 MB)

Falls Sie noch nicht in unserer Gästekartei sind, senden Sie uns Ihre Adresse und wir werden Sie informieren. info@sommerlust.ch


1. Juni 2008
Grossstadt in der Kleinstadt
salz und pfeffer
SonntagsBlick_Magazin.pdf (2,7 MB)

8. April 2008
Frischer Wind im Güterhof
salz und pfeffer SN Linda Prager wird Geschäftsführerin.pdf (1,2 MB)

17. Januar 2008 Fotos
Die Bauarbeiten im und um den Güterhof sind im vollen Gange.
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Schaffhauser Nachrichten 7. November 2007
«Güterhof: Café, Bar und Restaurant in einem »
Im Güterhof an der Schifflände wird Verena Prager ab Juni 2008 das «wohl grösste Gastronomiekonzept» der Region umsetzen. Artikel als PDF zum download:

salz und pfeffer Gueterhof_SN_6Nov07.pdf (4,24 MB)

Wollten Sie schon lange wissen, wie das Konzept "Gastronomie und Kultur unter einem Dach" funktioniert?

"Food Service" ist eine renomiertes deutsche Wirtschaftsfachzeitschrift für professionelle Gastronomie, die sich diesem Thema sorgfältig genähert hat. Ich freue mich ausserordentlich, dass dieses Konzept erstmals in einem ausführlichen Artikel beschrieben und analysiert wird. Besonders erfreulich ist, dass dieses Heft genau zum morgigen Beginn des "Food summit" in Zürich, einem Fachsymposium erschienen ist.
Herbstprogramm Food_service1 (208 KB)

10 mal den 10. Geburtstag feiern
Zehn Jahre ist es her, seit Verena Prager das «Schauwecker'sche Gut» in eine Kulturgaststätte verwandelt hat. Nun feiert die Sommerlust ihren runden Geburtstag mit zehn kulinarisch-musikalischen Jubiläumsabenden .
Pdf download: pdf (934 kb)

Montag 31. Dezember 2007, Region
Konzert Thomas Silvestri Trio in der Kulturgaststätte Sommerlust
Jazz voller Raffinesse und mit packendem Swing Die Live-Auftritte der Schaffhauser Lokalmatadoren Thomas Silvestri (Piano), Hans Krisch (Kontrabass) und Bernie Ruch (Schlagzeug) kurz vor dem Jahreswechsel sind in der Kulturgaststätte Sommerlust zur Tradition geworden. Dennoch haben die Konzerte dieses höchst professionell agierenden Jazztrios auch nach über zehn Jahren nichts von ihrer Ausstrahlung und Anziehungskraft eingebüsst. Stets kann sich die Band auf eine treue Zuhörerschaft verlassen, die sich gerne einen Abend lang sowohl musikalisch wie kulinarisch verwöhnen lässt. Und so war es auch diesmal.

Montag, 02. Juli 2007, Salz und Pfeffer Nr.4 Juli 2007  
«Frauen sind mutiger»


Verena Prager auf dem Titel und im Interview mit Tobias Hüberli in
«Salz & Pfeffer - das Magazin der Schweizer Gastronomie»
Der Artikel mit wunderbaren Fotos von Marcel Studer und einem Rezept aus der Sommerlust-Küche als PDF zum download:
salz und pfeffer Salz_&_Pfeffer_Frauen.pdf (876 KB)

Dienstag 22. Mai 2007, Region
Vollblutmaler und rastlos Suchender

In der Sommerlust ist eine Ausstellung mit Werken des in Neuhausen aufge- wachsenenen Künstlers Bruno Ritter zu sehen.
Bruno Ritter ist dem Schaffhauser Publikum bestens bekannt durch verschiedene hiesige Ausstellungen seit 1982. Ebenso ist er vielen Kunstfreunden bekannt als Grenzgänger zwischen Maloja, wo er mit seiner Familie wohnt, und Chiavenna, wo er sein Atelier hat. Der Schriftsteller und Lyriker Ralph Dutli bezeichnet Ritter als «Pendler zwischen Nord und Süd, zwischen Abstraktion und Figürlichkeit, ein Vollblutmaler und ein rastlos Suchender, der weder die existenziellen noch die farblichen Klüfte und Kontraste scheut, sondern in sie eintaucht ...».

Montag 23. April 2007, Schaffhauser NachrichtenRegion
Und plötzlich sitzt er neben dir

Die Nacht ist nicht nur zum Schlafen da - das bewies Michael von der Heide mit seinem neuen Programm «Nachtflug» in der «Sommerlust».
VON Vanessa Buff
Brillanter Entertainer, begnadeter Komödiant, ein Stern am Schweizer Pophimmel - Michael von der Heide wurde schon vieles genannt. Und alles trifft zu. Von Kritikern geehrt und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, gilt er bereits seit zehn Jahren als feste Grösse in der Schweizer Musikszene.
Am Samstag kam der Mann mit der Engelsstimme nun in die «Sommerlust» und unterhielt das Publikum mit seinem neuen Programm «Nachtflug».
Zusammen mit seiner Band - Greg Galli an den Tasten, Luca Leombruni am Bass und Remo Signer am Schlagzeug - spielte von der Heide weitere Hits wie den «Kriminaltango», der ursprünglich als Duett mit Nina Hagen aufgenommen wurde, oder «Paris, c'est toi», das auf seinem siebten Album «2Pièces» zu finden ist. Als das Konzert nach zwei Stunden Spielzeit endgültig zu Ende war, verabschiedete ihn das Publikum mit Standing Ovations.

Güterhof - aus dem Akzent Magazin März 2007

Montag 23. April 2007, Region
Das Konzept "Sommerlust" von Kultur-Gastronomin Verena Prager findet seine Fortsetzung im ehemaligen Güterhof an der Schiffslände. Präsident Roland Schöttle von der Kornhaus Liegenschaften AG gab jetzt bekannt, das mit der Schaffhauser Gastronomin ein langjähriger Pachtvertrag abgeschlossen wurde. Er betrifft einen wesentlichen Teil der Räume im Erdgeschoss des historischen Gebäudes. Der Güterhof an der  Schiffslände wird derzeit umgebaut. Verena Prager
will im Frühjahr 2008 die Räume beziehen und direkt am Wasser ein weiteres innovatives Gaststättenkonzept verwirklichen, das die lebendige Schaffhauser Gastroszene ergänzen soll. Die Detailplanungen zum Innenausbau laufen nun an.
Das Konzept soll im Mai vorgestellt werden. Dabei dürfte die Selfmade-Frau wohl wesentlich bessere Bedingungen vorfinden, als zu Beginn ihrer Karriere in der "Sommerlust". Eins steht fest: die Schaffhauser freuen sich auf ein weiteres
spannendes Projekt, das verstärkt auch den Tourismus und die Schifffahrt mit einbindet. Das Kultcafé Sommerlust bleibt als Dauerbrenner
erhalten. Viel mehr Details waren bislang noch nicht zu erfahren.
Text: Angela Steidle

Montag 26. Februar 2007, Region
Konzert Vera Kaa & Band in der «Sommerlust»
Das Tupfenröcklein wippt Mit sicherem Flair für Eigenständigkeit hat Vera Kaa nicht bei Edith Piaf angedockt. Mit deren Chansons hat sie vormals in der Kammgarn die Leute frieren gemacht. Gegenwärtig, seit den überlieferten Schweizer Volksliedern in Moll, bestimmt der Blues die Künstlerin so sehr, dass die «Sommerlust» in Schaffhausen vor Intensität bebte.
Vera Kaa & Band bedeutet eine Symbiose im rückhaltlosen Zusammenspiel mit dem Begriff «Spiel» an erster Stelle. Es heisst anheizen und im steten Dialog aller mit allen einen rasanten Bereich gewinnen. Wer sonst kaum einmal schreit vor Begeisterung, tat es. Wer nie über das Mitwippen mit den Zehenspitzen hinausging, schien auf dem Stuhl zu tanzen. Und alle verlangten «more».

Montag 25. September 2006, Schaffhauser Nachrichten, Region

Konzert

Schaffhauser nicht wiederzuerkennen

Der Pop-Chansonnier Michael von der Heide könnte als Rosinenpflücker gelten. Der zündendsten Hits aus Disco, Wunschkonzert, Chanson hat er sich bedient, und zwar mit dem Instinkt dafür, wie seine Stimme sie zu etwas Eigenem gestalten kann.

Der Künstler singt bilingue, oder genauer dreisprachig, weil er auch in Mundart und mit eigenen Liedern viel Furore macht. Als Interpret wartet er zusammen mit seinen Musikern mit frechen, mundigen Geschmacksnuancen auf. Weil er überdies lustvoll seine Zwischentexte der Stimmung anpasst und offenkundig selbst einen Riesenplausch hat, wenn er sein Publikum herzhaft erfreuen kann, wird es ab und an turbulent. Pfeifen, trappeln, rufen - die Schaffhauser sind bald nicht wiederzuerkennen. Die meisten haben wohl den tänzerisch wendigen, mimisch geschickten Wahlzürcher mit der etwas herben, aber doch bis in höchste Gefilde reichenden Stimme bereits gekannt. Wo nicht, gab das Konzert in der «Sommerlust» mit viel Kurzweil die beste Gelegenheit dazu.
Am Kontrabass spielte intensiv Luca Leombruni, auch der Gitarrist Martin Buess hielt ausdrucksmässig nicht hinter dem Hag. Ein paar für Profis unerlässliche Dinge wie Farbscheinwerfer, diskret bühnenwirksame Anzüge und bei Gelegenheit passend etwas Nebel wiesen das akustische «2-Pièces» als erstrangig aus. Denn das Programm erinnerte an die würzige Küche, bei der feine Zutaten auch nicht zum Brei vermanscht werden. Ebenso verhielt es sich mit den griffigen Zwischentexten. Lieder von Knef, Piaf, Dietrich und Villon standen neben dem hitverdächtigen «Oerlikon». Mit grosser Bühnenpräsenz verkörperte Michael von der Heide das, was er besang. Da wand sich die Schlange, zischelte, gab den tödlichen Biss. Und geisterte nicht bei einer echt schweizerischen Liebes-Signalisierung die einstige Kabarettgrösse Margrit Rainer herum?
Der Mann baut auch Ballett ein. Er hat ein gewinnendes Lächeln, ist selbst bei Gefühlssachen nicht süsslich in Gesang und Sprache. Ohne zu persiflieren, singt er vorurteilslos Hits der Prinzessin Stefanie von Monaco, erzählt von der Teenagerzeit in Amden, schiebt seinen rasanten Kriminaltango nach. Das Publikum tobt vor Genuss. Es folgen Zugaben in Mehrzahl, bis endlich geglaubt wird - und zwar beim letzten Lied ohne Intrumentalbegleitung -, dass jetzt aber Schluss sei. Der CD-Tisch wird danach umbrandet.
Ursula Noser

Donnerstag 19. Februar 2006, Schweizer Familie 
«Sommerlust zur Winterzeit»   Pdf download:
Eine Reportage von Leandra Graf

Dieser Artikel aus der Schweizer Familie Nr. 7 mit Sommerlust-Rezepten als pdf zum Downloaden zeigt wunderbare Fotos, ist informativ, spannend und herzlich.


Montag 27. März 2006, Region
«Un peu comme chez soi» Konzert Thierry Langs Auftritte in der «Sommerlust» reichen bis ganz an den Anfang der «Kulturgaststätte» zurück. Das Trio des Jazzpianisten spielte schon zur Eröffnung vor fast genau acht Jahren auf, und am letzten Freitag legte der Ausnahmeartist, der beim legendären US-Label «Blue Note» unter Vertrag steht, vor über 100 Gästen einen weiteren Auftritt im grossen Saal im Dachstock der Sommerlust hin. Thierry Lang mag die «Sommerlust», wie er am Freitag eingestand, es sei hier «un peu comme chez soi», sagte der Welschschweizer und entschuldigte sich gleichzeitig sehr charmant, dass er nach all den Jahren immer noch kein Deutsch spreche.
Thierry Lang und seine bewährten Begleiter Heiri Känzig (Bass) und Peter Schmidlin (Schlagzeug) hatten dieses Mal noch zwei weitere Musikanten mit dabei, den in der «Sommerlust» ebenfalls nicht unbekannten Trompeter Franco Ambrosetti sowie den jungen Bandoneonspieler Michael Zisman.
Das Bandoneon ist das Hauptinstrument des Tango Argentino, und dass Jazz und Tango sich nicht ausschliessen, bewies schon der legendäre (und unter den Traditionalisten sehr umstrittene) Bandoneonvirtuose Astor Piazzolla, das grosse Vorbild des 24-jährigen Zisman.
Michael Zisman stammt aus einer Tangofamilie, trat schon mit elf Jahren zum ersten Mal öffentlich auf und gehört nach seiner Ausbildung in Buenos Aires und an der Swiss Jazz School wohl zu den grössten Talenten des Tango Nuevo. Mit dem passenden Stück «Invitation» führte das Quintett in den Abend, orientierte sich an den Beatles («Norwegian Wood») wie am traditionellen Fribourger Volksgesang («Le vieux Chalet»), Franco Ambrosetti zeigte sein kompositorisches und sein spielerisches Geschick mit seinem eigenen Werk «Ceiling in the Sky», dem zweiten Stück nach der Pause, und am Schluss des Abends widmete sich die Gruppe gar dem Blues.
Nach der einen Zugabe und insgesamt neun Stücken soliden Jazzhandwerks blieb aber die Frage, wo denn nun die Union von Jazz und Tango geblieben war. Bandoneonist Zisman, der neben Schweizer auch argentinische Wurzeln hat, schien wie eingeklemmt zwischen dem kraftvollen Spiel Langs und den berauschenden Schwärmereien Ambrosettis, und von hinten hagelte es Sticheleien aus Schmidlings Schlagwerk und Känzigs Grossgeige. Zismans Instrument fehlte die Puste, und ihm vielleicht doch der Mut, um sich mit seinem Balg neben dem Piano und der Trompete als dritte Stimme breit zu machen.
Vielleicht lag es auch an der Akustik. Michael Zisman beugte sich über sein Instrument, ganz nah, lauschte, was denn da aus den Ritzen kroch, zog und stiess und hämmerte und jammerte nach Kräften, doch trotz Verstärker konnte er sich mit seinem Spiel kaum je durchsetzen.
Möglicherweise gelingt es ihm am 10. Mai besser. Dann tritt er ebenfalls mit Thierry Lang, Franco Ambrosetti und Heiri Känzig am Jazzfestival Schaffhausen auf. Ein Schlagzeuger wird dann nicht dabei sein - schon mal ein Gegner weniger für den Bandeonisten der leisen Töne.
Zeno Geisseler Sommerlust Thierry Lang Trio and Friends

Montag 20. März 2006, Region
Theater in der Sommerlust
Markus Werners Buch in der Theaterversion

Selbst wenn man die Auflösung des Aufsehen erregenden Buches von Markus Werner «Am Hang», kennt, packt einen der durchgeformte Stoff erneut wie bei der Lesebegegnung. Der Schriftsteller hat mit unverwechselbarer Sprache die Spannung raffiniert aufgebaut. Wie gemeisselt sind die Sätze seiner widersprüchlichen Figuren aus dem menschlichen Drama übertragbar auf die Bühne.
Wenn denn nun mit Klaus Henner Russius ein ebenso analytischer Menschenkenner die Verkörperung der Romanfigur Loos übernimmt, dann von innen. Bohrend und zurückhaltend sarkastisch und selbstbeherrscht bis zur Grenze nimmt er das Frage-und-Antwortspiel mit Clarin auf. Mit Daniel Rohr bedient dieser Selbstsichere nicht das Klischee vom zynischen Unmenschen. Der Frauenkonsument ist zwar bindungsscheu, dennoch keiner, der über Leichen geht und die Versöhnung der Ehepartner verhindert mit aller Gewalt. Verwöhnt und selbstverliebt flüchtet er, wo Liebe «droht», in Unverbindlichkeit.
Schon früh wird «die Frau» gegenwärtig. Zuerst als Hintergrundsperson auf der Hotelterrasse, tritt sie als Bindeglied direkt in die Konstellation.
Loos' Vermutungen äussern sich wortlos; erst spät zeigt sich Zorn in den Augen. Da sind die Männer in ein fortgesetztes Gespräch verstrickt in dieser flüchtigen Zeit, wo Handys einen gehässig machen. Widerwillig gerät der Jüngere hautnah in Anteilnahme - und ins Netz.
Ariane Senns Anwesenheit als «Eva» gewinnt Konturen in der Aufmerksamkeit der Männer, selbst wenn sie erst am Schluss zu sprechen beginnt. Das Strömen der Geschichte erreicht den Katarakt. Fliessendes spielt von Anfang an eine gewichtige Rolle: Weisswein, Cognac, Regen, immer wieder das erleichternde Loslassen.
Brigitte Soraperra macht mit glaubhaften Regieeinfällen die Orte gut erkennbar; vor weissem Hintergrund mit Höhenkurven zeichnen sich Hotelzimmer, Speisesaal, Terrassentisch oder Wanderweg deutlich konturiert ab.
Positionswechsel in einer Art von Schachpartie zwischen Fragen und Preisgeben lassen am Ende Loos - man bedenke sich des Wortstamms des englischen Wortes - zum Sieger werden. Aus dem selbstherrlichen Clarin schält sich ein Verunsicherter, dem überdies die erste Frau in seiner Trophäensammlung reinen Wein einschenkt.
Es spielten das Theater Stadelhofen und das Theater am Kirchplatz Schaan in Koproduktion. Mit ihnen teilte der Schriftsteller Markus Werner den grossen Beifall.
Ursula Noser Sommerlust Theater Stadelhofen: «Am Hang».

GaultMillau Eintrag 2006

Verena Pragers "Kulturgaststätte Sommerlust" erfreut sich sowohl bei den Freunden der schönen Künste sowie musikalischer Kostbarkeiten als auch bei den Liebhabern einer gepflegten Küche grosser Beliebtheit.

Während in den oberen Geschossen Ausstellungen, Konzerte und Lesungen stattfinden, werden die Gäste im Erdgeschoss, im Park und neu auch in einem Wintergarten nach allen Regeln der Kochkunst verwöhnt. Bei schönem Wetter oder nach einer gut besuchten Veranstaltung braucht man aber mitunter etwas Geduld. Doch die lohnt sich. Denn die Küche besticht durch die Qualität der Produkte, stets neue Ideen, ein vielfältiges Angebot und professionelle Zubereitung.

Als erfreulichen Gruss aus der Küche gab's eine bunte Fischterrine an einer mit Zitronensaft abgeschmeckten Dillsauce. Der gemischte Sommerlustsalat war knackig und mit Sprossen und Radieschen garniert. Und bei den mit Blattspinat und Waldpilzen gefüllten Kaninchenröllchen als Hauptgang wurde die geschmacklich gelungene Kombination von einer ausgezeichneten Balsamico-Vinaigrette begleitet; ein Gericht mit kreativem Engagement und handwerklichem Können. Als Beilage gab's feine Spätzli und ein herrliches Bouquet aus Frühlingsgemüse mit Blumenkohl, Broccoli, Karotten, Spargeln, Kefen und Kürbis.

Zum Dessert wählten wir ein auf der Zunge schmelzendes Limonenparfait mit gratinierten Blutorangenscheiben als grossartiges Finale.

Die Weinempfehlung - eine Assemblage aus Pinot Blanc und Chardonnay aus dem Weingut von Erich Gysel aus Hallau - ein ausgezeichneter Tipp. Zu den Pluspunkten der Sommerlust gehören auch die Auswahl an offenen Weinen, die moderaten Preise und die lockere Atmosphäre. Und natürlich der Blick auf den gemächlich fliessenden Rhein.

13 GaultMillau Punkte

Montag 31. Oktober 2005, Schaffhauser Nachrichten, Region

Die Windmaschine rauscht, und das Wild röhrt «Waidmannsheil»: Abschlussproduktion in der «Sommerlust» Das TiF-Ensemble trat in der «Sommerlust» zur letzten Premiere an.
Von Ursula Noser
«Waidmannsheil» von Susanne Hinkelbein hat das böswillige Aufspüren, Aushecken und Durchführen von abgründigen Fantasien episodenhaft durchkomponiert. Graziella Rossi als Maggie und Charlotte Heinimann als Johanna schaukelten sich mit jägerischem Instinkt und innerseelischer Pirsch gegenseitig hoch. Dazu lieferte Helmut Vogel Naturgeräusche und - genial am Klavier dreistimmig spielend und dazu mit spielfreudiger Tenorstimme singend - das Komplementäre. Der Wald als grünes Zelt und Erholungsweide wurde poetisch und genial kontrapunktisch abgegrast. Die Windmaschine rauschte, Wild röhrte, Vöglein sangen.
Wir werden das TiF-Ensemble vermissen, weil es immer Gewähr für Denkanstösse gab. Jetzt aber erfolgt als Knalleffekt das Stück seiner Grenzüberschreitung von kumulierter Wahnvorstellung zum wirklichen Mord, gesprochen auch im wechselnden Mienenspiel von steinernem Gesicht bis zu glitzender Neugier auf echtes Menschentöten ... Schon bei den ersten, von Hintergründigkeit wabernden Dialogen wusste man: Hier wird die Waffe entsichert. In diesem Revier wird doppelläufig geladen, weil dieser Ansitz nichts mit Pirsch und Hege zu tun hat. In «ihrer» Lichtung des Gesellschaftsparkettes überblicken zwei mondäne Frauen von kalter Schönheit sensationslüstern Fallen und Absturzgelegenheiten. Perfekt sind sie von den Pelzen bis zu den Schirmen, mit denen sie niemals den Naturboden durchstreifen würden. Eher dem Kriegsgott Ares als der Artemis zugehörig, setzen sie an auf Freude, Gefühle, auf Unschuld der Sinnlichkeit. Zuletzt drücken sie ab. Dann schauen sie zu, wie ihr Opfer zuckt.
Im schauspielerischen Rundumschlag setzt das Mimenduo sämtliche Waffen der Mitteilung ein. Dazu gehört auch das absurde Selbstmitleid des grausamen Menschen. Und wenn nach erfolgtem Mord an der schlicht um Liebe beneideten arglosen Margrit die elegante Susanne um eines toten Eichhörnchens willen mit der Feh-Stola die Träne wegtupft, ist das Gefühl endgültig pervertiert.
Herrlich haftet, in der Regie von Hinkelbein/Wey, eine zu sardonischem Lachen führende Szene. Man mochte sie nicht, diese Jägerinnen. Aber man mag die Schauspielerinnen. Für einmal haben sie den Spiess um-gekehrt, denn nicht als Opfer und waidwunde Rehe, sondern glaubwürdig als Täterinnen klatschen sie den Zuschauern die schiere Bosheit ins Gesicht.

Freitag 16. September 2005, Schaffhauser Nachrichten, Region
Tafeln in der Orangerie Sommerlust: Viel Neues in der Kulturgaststätte Die «Sommerlust» hat ein neues, frisches Erscheinungsbild bekommen und ist jetzt an sieben Tagen pro Woche geöffnet.
Ob mans Orangerie oder Wintergarten nennt, spielt wohl keine Rolle: Fakt ist, dass die «Sommerlust» einen Glasanbau bekommen hat, in dem man bei jedem Wetter tafeln kann, winters wie sommers. Denn der Glaskubus, den Architekt Hans Peter Oechsli als Vorbau des Hauses konzipiert hat, hat eine Fussbodenheizung, und an heissen Tagen lässt sich die Glasverkleidung problemlos öffnen, sodass man mitten im lauschigen Garten sitzt. «Die Orangerie macht uns das Leben viel leichter», sagt Inhaberin Verena Prager. Denn mit diesen Plätzen - es sind zwischen 40 und 50 - kann man jetzt fix kalkulieren; anders als früher, als man sofort ins Innere umziehen musste, wenn sich Regen ankündigte. Und im Winter war der Garten sowieso nicht zu benutzen.
Im neuen Anbau ist alles anders. Da kann man aus dem Trockenen Wind und Wetter verfolgen und gemütlich tafeln dabei. Fertig gestellt ist der Wintergarten schon seit Ostern, aber der Anbau zog auch im Inneren einige Änderungen nach sich. «Plötzlich stimmten Interieur und Farben im Restaurant nicht mehr», sagt Prager. Deshalb wurde die Beiz ebenfalls umgemodelt und präsentiert sich nun in warmem Beige. Es gibt lange, gediegene Vorhänge im Landhausstil, und in der Ecke kann man sich in der Couchgruppe fast wie zu Hause fühlen. Statt leuchtend-starker Farben sind die Räume nun in gedeckten, diskreten Tönen gehalten. Durch die Glasfront der Orangerie kommt genügend Licht ins Haus.
Mit den Veränderungen im Innern musste zudem das Erscheinungsbild auf dem Logo, den Prospekten und der Homepage angepasst werden. Das hat Grafiker Bert Neuberger (Büsingen) mit viel Stilgefühl getan, sodass sich die Kulturgaststätte Sommerlust nun als Einheit präsentiert.
Weil man jetzt besser planen und kalkulieren kann, ändern sich auch die Öffnungszeiten. Das Restaurant ist nun die ganze Woche geöffnet, und immer sonntags bietet Pragers Team einen Brunch an. Nach wie vor finden in der «Sommerlust» Kulturveranstaltungen statt, aber passend zum neuen Motto «Essen, tagen, feiern» gibts auch Referate und Vorträge. Und damit man auf dem neuesten Stand ist, wurden der Tagungsraum im zweiten Stock mit Beamer, Hot Spot, Video und DVD ausgestattet, sodass man dort problemlos Tagungen abhalten kann. Für die Kulturveranstaltungen gibts zudem neue Scheinwerfer und einen Vorhang.
Die neue «Sommerlust», mit ihrer frischen und regional abgestimmten Küche, präsentiert sich an den «Lustvollen Tagen» mit verschiedenen Veranstaltungen. Sie sollen auch einen Vorgeschmack auf die Bandbreite des künftigen Angebots geben.
So bestreitet der Trendforscher und -analytiker David Bosshart am 22. September den offiziellen Eröffnungsevent mit einem Vortrag. Bereits morgen ist «La Lupa» mit einem Tessinerabend zu Gast, den man, ganz im Trend der Zeit, all inclusive, also mit Billett, Buffet und Getränken, buchen kann. Dazu gibts die Begleitausstellung «La Lupa-Impressionen» von Roswitha Gugg, und im Rahmen der Museumsnacht zeigt Stephan Viering am 24. September seine Nocturne «Die Schwarze Spinne». (E. F

Montag 15. August 2005, Region
Konzert
Jazzklassiker und Eigenkompositionen
Zu einem hochkarätigen Gastspiel geriet am Samstagabend in der ausgezeichnet besetzten Sommerlust der Saisonauftakt. Mit der kühnen Verpflichtung des erstmals in Duo-Besetzung auftretenden New Yorker Spitzenpianisten/Komponisten Mark Soskin mit seinem Schweizer Partner Nat Su auf dem Altsaxofon war Verena Prager eine Sternstunde gelungen. Anspruchsvoll waren die Erwartungen des Kennerpublikums, sassen unter den 50 Zuhörenr doch renommierte Musiklehrer und versierte Jazzamateure. Das Debüt-Konzert verdanken die Jazzfreaks einem Auftritt vor acht Jahren in der Band des Komponisten/Trompeters Hans Kennel, der als unermüdlicher Experimentator wie brillanter Alphorn- und Büchelsolist die Volksmusikinstrumente für Jazz und zeitgenössische Musik salonfähig machte. Während für Soskin die siebenjährige Mitwirkung in der Combo des Tenorsaxofonisten Sonny Rollins zum Schlüsselerlebnis wurde, verlebte Nat Su als Sohn eines Missionars seine Jugendjahre in Kamerun. Als er ab 1977 das Gymnasium in Zürich besuchte, wurde er vom Jazzbazillus voll getroffen. Er machte nach Studien in Graz und am «Berklee College of Music» in Boston den Abschluss als Musiklehrer. Heute unterrichtet er an der Musikhochschule Luzern.
Die hoch motivierten Musiker warteten in ihrem zweistündigen Programm mit einer wohldosierten Mischung aus berühmten Jazzklassikern und einfühlsamen Eigenkompositionen von Soskin auf. Beide Konzerte leitete der virtuose Pianist mit Solo-Tributs an die leider allzu früh verstorbenen Klavierlegenden Bill Evans und Bud Powell ein. Bei Kerzenlicht kamen die technische Brillanz und die Kreativität der Musiker voll zum Tragen. Zu einer Paradenummer geriet die Ballade «Round Midnight» von Thelonius Monk, in «Blue Bossa» und «Calypso» (Kenny Barron) zeichnete sich der warme Altsaxofon-Ton von Nat Su durch grenzenlose Kraft aus. Der lange Beifall wurde von den Künstlern mit einer Komposition von Mark Soskin honoriert! Gustav Sigg

Donnerstag 6. Mai 2004, Region
Gourmetfestival: In 14 Gault-Millau-Restaurants Spezielle Menüs und Degustationen Am zweiten Gourmetfestival beteiligen sich alle 14 Gault-Millau-Restaurants der Region Schaffhausen. Dazu zählen in der Stadt Schaffhausen die Beckenburg, die Fischerzunft, die Gerberstube, der Schaffhauserhof, das Schiff, die Sommerlust und das Theater; in Neuhausen am Rheinfall das Da Angelo, die Rosenburg und das Schlössli Wörth; in Neunkirch das Gemeindehaus, in Osterfingen das Bad sowie in Stein am Rhein der Chlosterhof und die Sonne.
Sie alle servieren bis zum 23.  Mai ein mehrgängiges Menü mit den passenden Weinen aus der Region. Einige der Restaurants bieten zudem Wine&Dine-Abende an, an denen der Produzent seine Weine persönlich vorstellt:

Gesamtprogramm
Ausstellungen
Hall of Fame
Menukarte
Mittagskarte
Bankettvorschläge
Kleine Karte
Getränke
Weine
Sonntagsbrunch
 
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